X Fenster schließen

PartiturausschnittAndreas H.H. Suberg

1791

Paraphrasen über ein Adagio für Glasharmonika von W.A. Mozart
1994

Grundlage für die Komposition bildet ein Adagio für Glasharmonika von Wolfgang Amadeus Mozart. Die im Todesjahr Mozarts entstandene kleine Komposition ist der blinden Glasharmonikaspielerin Marianne Kirchgessner zugeeignet.
Faszinierend war der Gedanke, dieses Stück nur mit Hilfe elektronischer Klangableitungen wie Obertonfilterungen, Ringmodulationen und Transpositionen zu bearbeiten, ohne die eigentliche Textur der Tonhöhenorganisation anzutasten.
Dem als Sequenz abgespeicherten Originaltext wurden auf 16 Spuren acht Klangableitungen zugeteilt, wobei eine, als Ausgangsmaterial für alle anderen, dem Originalklang der Glasharfe entsprach.
So entstanden acht Klangschichten, auf die während des Sequenzablaufs ein gleichzeitiger Zugriff durch das Öffnen und Schließen der 16 Kanäle ermöglicht wurde.
Dieses Arbeitsverfahren gleicht dem in der Bildenden Kunst angewandten Montageprinzip der Grattage, einem der Frottage verwandten Verfahren: Unterlegte, mit mehreren Farbschichten versehene Leinwandflächen werden teilweise abgeschabt, wobei das Relief der Unterlage wiederum zu Texturen führt, jetzt allerdings zu farbigen.
In einer Versuchsreihe wurden mehrere Mixerchoreografien realisiert. Eine Auswahl von vier Studien wurde formal in einer Dreiteiligkeit organisiert, wobei die Varianten II und IV zeitlich gestaucht einander im Mittelteil überlagern. Die zwei zwischengelagerten und verbindenden, auf einem Keyboard live gespielten Interludien bedienen sich der elektronischen Klangableitungen, lösen sich aber weitgehend von der vorgegebenen musikalischen Textur, indem sie ihr Komplementärmaterial in freiem kompositorischem Umgang verarbeiten und so eine zusätzliche kontrapunktische Perspektive schaffen. Die Zuspielung erfolgt über die Positionierung von acht Klangschichten in einem quadrophonen Klangraum.

A.H.H.S.
Köln 1994