X Fenster schließen


rondeau de verre
Video, elektronische Klänge
2007

Dem ältesten Kunststoff Glas sind gleichzeitig unendlich langsame Fließgeschwindigkeit und große Zerbrechlichkeit als heterogene komplementäre Aggregatzustände und Materialcharakteristika inhärent. Innerhalb der artifiziellen Welt der Glasotronik, die sich multimedial und interdisziplinär aus der Synthese von Glas und Elektronik generiert, evozieren Assoziationen an kosmische Zeitläufte und an die Fragilität menschlicher Existenz Themen künstlerischer Auseinandersetzung. In ihrem Video rondeau de verre arbeiten Nikolaus Heyduck und Andreas H.H. Suberg mit zwei stark kontrastierenden bildnerischen Grundelementen. Der schnelle auf die Bildmitte zentrierte Wechsel der konstruktiven schwarz-weißen Signets, die, auf Kisten aufgebracht, Hinweis geben auf deren zerbrechlichen Inhalt, und die informell, surreal und manchmal naturalistisch anmutenden blaugrundigen Aufnahmen eines um sich selbst rotierenden gläsernen Hohlkopfes in kontinuierlicher horizontaler oder vertikaler Bewegung bilden das visuelle Ausgangsmaterial des ‘gläsernen Rundtanzes’. Die Kontinuität des Fließens konstituiert sich durch die Permanenz der Repetition, und die durch Schleifen des ewig Wiederkehrenden erzeugte, schmerzlich empfundene Routine wird von visuellen Signalen durchbrochen, die dem Betrachter ‘Handle with care’ suggerieren, in Analogie zu dem Vogel, der in Huxley’s Roman Eiland über die Insellandschaft fliegt und mahnend ruft:
Gib acht … gib acht!

A.H.H.S.