Andreas H.H. SubergWas dir dein Sehnen aus den Scherben schmolz für Countertenor, Glasinstrumente und elektronische Klänge 1997/98 Die kompositorische Transformation der durch Analysen freigelegten musikalischen Struktur eines gefundenen, schon bestehenden akustischen Objektes war Ausgangspunkt und Idee der Konzeption und Realisation des Stückes. Dieses Objet trouvé acoustique, eine Tonbandaufzeichnung einer musikalischen Aktion des Franzosen Alain Baumann, der in einem Tunnel bruitistische Glasscherbengeräusche erzeugte, bildete die materialhafte Ur-Struktur und klangliche Ausgangssituation für die kompositorische und künstlerische Auseinandersetzung. Computerunterstützte Analysen und Transformationen des um 800 Prozent gestreckten Materialklanges von 54 Sekunden Länge legten formale und durch Tonhöhen und -längen determinierte musikalische Texturen frei, die in der nachfolgenden Arbeit verschiedenen kompositorischen Prozessen unterworfen wurden. Die die Form unterstützenden Brüche konstituieren sich aus einer immer weiter fortschreitenden Mutation des Originalklanges und vermitteln zwischen unterschiedlichen virtuellen und realen Ebenen musikalischer Wirklichkeit, die in einem dramaturgischen und programmatischen Wechselverhältnis von Text und Handlungsebene stehen. A.H.H.S. Köln 1998 |
| Was dir dein Sehnen aus den Scherben schmolz Netze über den abgestreiften Häute angesägte Anblicke verworfener Unblicke in den Fesselungen neuronaler Kontaktvielfalt abgeklatscht abgegriffene Sequenzen als fraktale Wühlmasse, wirr kohäsiv ratscht das Spiegelbild sich selbst mit neuem Natodraht, leitfähig nur für designte News als schmerzfafte Scherenschnitte kontraststark akzentuiert für den Triumph der Gefangenschaft auf den Weltbühnen ohne Worte im Hals krepiert: krkrrrrrkkrrrrrkrkr Es windet sich im Stein, es brüllt in der Uhr Es wölbt sich in qualmigen Blasen und flüstert die Reste hervor: ein trockener Halbkerf mit starrem Gesicht taugt diesem nicht mehr Atzung Die emotionale Organbank entleert, die mentale Zitze und kaut auf den Krümeln der Worte, Es ist noch Speichel da, es fließen noch Säfte, Es klappt ein Auge auf, verkrustete Bronchien und tastet rasselnd nach Licht Mein Hirn durchfließt ein schwacher Strom, der diesem Durst genügt Ganz zaghaft weitet sich mein Sinn, der diesen Mord versteht und gibt mich hin erstmals mein Gesicht zu sehen und dem Erschrecken zu vergeben Wieder meine Stimme hört und spricht mich endlich weich hervor Das Betriebssystem fährt hoch Das Wasser zischt unter den Reifen Die Amseln hüpfen hinter den Zaun Jemand ruft über die Straße Eine Schnake hat sich im Fenster verirrt der Atem Es bleibt, was dir dein Sehnen aus den Scherben schmolz Albrecht Rieger |